Gewaltfreie Kommunikation | Was ist das?

Das Konzept der Gewaltfreien Kommunikation (GfK) wurde von Marshall B. Rosenberg entwickelt.
Wir können nicht nicht kommunizieren. Kommunikation findet immer statt, wo Menschen als soziale Wesen zusammen sind.“ (Paul Watzlawick, 1974)

Kommunikation kann beschrieben werden als Austausch von Informationen. Der zwischenmenschliche Austausch von Informationen kann verbal (Sprache) und non-verbal (Gestik, Mimik) erfolgen.

Kommunikation „passiert“ im Alltag meist „von allein“, also ohne bewusstes Zutun.
In alltäglichen Situationen funktioniert das oft völlig unproblematisch.

Bei Missverständnissen und Konflikten kann die Sprache, kann die Art, wie miteinander gesprochen wird, einen erheblichen Anteil daran haben, ob Meinungsverschiedenheiten respektvoll geklärt werden können oder ob ein Streit eskaliert.

Wenn man sich durch einen anderen Menschen verletzt, missachtet oder angegriffen fühlt, entstehen Gefühle von Ärger, Wut, und/oder Ohnmacht, Hilflosigkeit. Es kann dann mit einer Art „Gegenangriff“ reagiert werden, indem man seinerseits Vorwürfe, Kritik, moralisierende Andeutungen oder Drohungen gegen den anderen richtet. Die Aufmerksamkeit richtet sich dann dabei auf das, was der andere „falsch“ macht und auf das, was der andere „richtig“ machen muss. Es kann sich eine Spirale aus Angriff, Gegenangriff und/oder Kontaktabbruch in Gang setzen.

Diese aggressive Kommunikation nennt Marshall B. Rosenberg Wolfssprache.
Die Wolfssprache drückt sich aus in Sätzen wie z.B. „Wenn du das so gemacht hättest …“, „Wenn du mich lieben würdest …“, „Wie du das machst, ist das falsch …“, „Das muss man so machen …“, „Du machst das nur, weil …“, „Du bist zu blöd/faul/unsensibel …“, „Wenn du nicht sofort …“

Die gewaltfreie Kommunikation nennt Rosenberg „language of the heart“ oder Giraffensprache.
Als Symboltier wählte Rosenberg die Giraffe, weil die Giraffe das Landtier mit dem größten Herzen ist.

Gewaltfreie Kommunikation

Gewaltfreie Kommunikation ist eine Konfliktlösungsmethode.
Ziele der GfK sind die Auflösung alter Verteidigung-/ Rückzugs-/ und Angriffs-Muster und die Förderung von gegenseitiger Wertschätzung durch bewusste Wahrnehmung von Beobachtung, Gefühl und Bedürfnis.
Grundlage von GfK ist Empathie und einfühlsames Zuhören.
Die Aufmerksamkeit wird auf das eigene innere Erleben gelenkt, um das unerfüllte Bedürfnis zu erkennen, das hinter dem Gefühl steht.
Die vier Komponenten der GfK sind Beobachtung (Situationsbeschreibung), Gefühle, Bedürfnisse und Bitten.

Leitsätze der GfK

  • Das, was andere Menschen tun, ist niemals die Ursache für das, was wir fühlen.
  • Ich gebe mir selbst Einfühlung und weiß, wie es mir in einer Situation geht.
  • Ich gebe mir Einfühlung, um dir Einfühlung zu geben.

Struktur der Gewaltfreien Kommunikation

  1. Beobachtung (Situationsbeschreibung): „wenn ich sehe/höre …“
  2. Benennen der Gefühle, die das Handeln bei mir auslöst: „fühle ich mich / bin ich …“
  3. Benennen der Bedürfnisse, die nicht befriedigt sind: „weil ich brauche/möchte …“
  4. Äußerung eines Wunsches/einer Bitte: „und ich bitte dich …“

Giraffensprache

  1. Beobachtung (Situationsbeschreibung): „wenn ich deine Meinung höre …“
  2. Benennen der Gefühle, die dieses Handeln bei mir auslöst: „bin ich ärgerlich…“
  3. Benennen der Bedürfnisse, die nicht befriedigt sind: „weil ich wertgeschätzt werden möchte …“
  4. Äußerung eines Wunsches/einer Bitte: „und ich bitte dich, meine Meinung zu respektieren

Beispiel:

  1. Beobachtung: wenn ich mit dir über die Verteilung der Hausarbeit sprechen möchte, sprichst du nicht mehr mit mir
  2. Gefühle: dann bin ich sauer und auch enttäuscht und ratlos
  3. Bedürfnisse: weil ich angehört und geachtet werden möchte
  4. Bitte: ich bitte dich, meine Meinung anzuhören und ich wünsche mir, dass wir zusammen eine Lösung für das Problem finden, bitte sage mir, was du dazu denkst

Kritik findet die vierte Komponente der GfK, eine Bitte an das Gegenüber zu richten.
Ein erwachsener Mensch nicht verantwortlich für die Erfüllung der Bedürfnisse eines anderen Erwachsenen.

Die Äußerung einer Bitte teilt m.E. dem Gegenüber einen Wunsch mit. Eine Information über ein vorhandenes Bedürfnis wird gegeben. Austausch von Informationen ist Kommunikation.

Ein erwachsener Mensch, an den eine Bitte gerichtet wird, trägt die Verantwortung dafür, ob er dieser Bitte entsprechen kann/will oder eben nicht.

Die Ablehnung einer Bitte könnte in der Wolfssprache vielleicht so lauten:
„Wenn du dich für mich interessieren würdest, wüsstest du, dass ich Wichtigeres zu tun habe. Du kannst das ruhig auch mal selbst machen. Oder bist du auch dazu zu blöd.“

In der Giraffensprache könnte sich das vielleicht so anhören:
„Wenn ich höre, wie du dich fühlst, kann ich verstehen, dass du dir das wünscht und es tut mir leid, dass ich deinen Wunsch (diesmal) nicht erfüllen kann, weil ich (jetzt/diesmal) etwas anders brauche/möchte.“

Hier würde sich durch einfühlsames Zuhören mit gegenseitiger Wertschätzung eine gemeinsame  Suche nach einem Kompromiss / einer Lösung anschließen können, mit der beide Seiten einverstanden/zufrieden sind.

Anwendung findet Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg bei Konflikten in Ehe und Familie, in der Schule zur Streitschlichtung unter Schülern, bei juristischen Streitigkeiten, arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen, sowie bei Miet-/Nachbarschaftskonflikten, u.a.
Beratungsstellen nutzen GfK teilweise in der psychologischen Beratung.

Fortbildungen in Gewaltfreier Kommunikation nach Rosenberg richten sich an verschiedene Berufsfelder (Sozialpädagogik, Pädagogik, Justiz, u.a.)

Einführungsseminare und Übungsgruppen für Menschen, die GfK als Konfliktlösungsmethode im privaten und/oder beruflichen Umfeld nutzen möchten, werden in vielen größeren Städten angeboten.

Workshop:
Gestalt trifft GfK“ vom 22.-24. November 2013

Zum Weiterlesen:
„Gewaltfreie Kommunikation – Eine Sprache des Lebens“, Marshall B. Rosenberg

Gewaltfreie Kommunikation – Eine Sprache Lebens
Marshall B. Rosenberg
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