Eine geeignete Therapeut/-in finden

Es ist schwierig, in einer seelischen Belastungs- oder Krisensituation einen klaren Kopf zu behalten. Genau das aber ist nötig, um eine gute Entscheidung bei der
Wahl einer Therapeut/-in treffen zu können.
Eines vorweg:
Es gibt nicht DIE richtige Therapeut/-in bzw. DAS richtige Therapieverfahren.
Um die Therapie-Wahl zu erleichtern, kann die Beantwortung einiger Fragen hilfreich sein.

Therapie-Verfahren

Welches Therapieverfahren passt?

Zu den von Krankenkassen bezahlten Psychotherapie-Verfahren, den sogenannten Richtlinienverfahren, zählen in Deutschland

  • Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
  • Verhaltenstherapie
  • Psychoanalyse

Die Zulassung durch Krankenkassen sagt aber nicht zwingend etwas über die Qualität eines Therapie-Verfahrens aus.

In anderen europäischen Ländern sind unter anderem auch

  • Gestalttherapie
  • Systemische Therapie
  • Psychodrama
  • ausdruckorientierte Therapien
  • Kunst- und Musiktherapie

anerkannt und werden von den Krankenkassen bezahlt.
Darüberhinaus gibt es wirksame körperpsychotherapeutische Verfahren.

Um herauszufinden, welches Therapieverfahren in der aktuellen Situation am besten passen könnte, kann die Klärung einiger Fragen sinnvoll sein:

  • Soll der Schwerpunkt auf der Entwicklung neuer Handlungsstrategien liegen?
  • Ist es wichtig, zugrundeliegende Problematiken zu erkennen und zu bearbeiten?
  • Erscheint eher eine kognitive Auseinandersetzung mit den Schwierigkeiten hilfreich?
  • Soll der Fokus liegen auf der emotionalen Verarbeitung von belastenden Erfahrungen in Kindheit und Jugend?
  • Hat die Arbeit mit Träumen oder die Arbeit mit dem inneren Kind eine besondere Bedeutung?
  • Ist eher die Arbeit mit bestimmten Methoden (imaginative Methoden, Arbeit mit inneren Bildern, trainierende Methoden) wichtig?
  • Soll eher die Arbeit mit dem Körper im Vordergrund stehen?
  • Kann eine ausdrucksorientierte Herangehensweise durch die Arbeit mit kreativen Elementen wertvoll sein?
  • Soll Spiritualität in der Therapie eine Rolle spielen?
  • Liegt eine Problemstellung vor, bei der eine bestimmte therapeutische Herangehensweise bzw. die Arbeit mit speziellen Methoden sinnvoll erscheint bzw. gewünscht wird?

Jedes Therapie-Verfahren hat seine eigenen Schwerpunkte und Methoden.
Erscheinen verschiedene Aspekte wichtig, wählen Sie ein Verfahren, das ein möglichst breites Methodenspektrum anbietet. Oder suchen Sie nach einer Therapeut/-in, die methodenübergreifend arbeitet.

Im Zweifelsfall kann auch die Person der Therapeut/-in wichtiger sein, als das therapeutische Verfahren selbst.

Therapeutin oder Therapeut

Möchten Sie in einer Therapie lieber mit einer Frau oder lieber mit einem Mann arbeiten?

Unter gewissen Umständen kann die Klärung dieser Frage für den Verlauf einer Psychotherapie entscheidend sein.

Wenn Sie unsicher sind, ob das Geschlecht der Therapeut/-in für Sie von Bedeutung ist, versuchen Sie folgendes:
Stellen Sie sich abwechselnd vor, Sie säßen in der Therapie einer Frau bzw. einem Mann gegenüber. Nehmen Sie sich Zeit dafür.
Gibt es einen Unterschied bei dem, was Sie jeweils empfinden?
Wenn möglich, fragen Sie auch Freunde oder gute Bekannte nach deren Erfahrungen.

Therapeutische Qualifikation

Ist die Therapeut/-in gut genug ausgebildet?

Bei ärztlichen und psychologischen Psychotherapeut/-innen ist die Psychotherapie-Ausbildung standardisiert.

Heilpraktiker/-innen für Psychotherapie haben durch die Überprüfung des zuständigen Gesundheitsamts nachgewiesen, dass sie Kenntnisse über Diagnostik und Behandlung psychischer Störungen nach ICD-10 besitzen.
Der Nachweis einer Ausbildung in einem psychotherapeutischen Verfahren ist damit nicht verbunden.

Bestehen Unsicherheiten bezgl. der therapeutischen Qualifikation, sollte in jedem Fall vor Beginn einer Therapie in Erfahrung gebracht werden, ob die Therapeut/-in eine Ausbildung in einem psychotherapeutischen Verfahren absolviert hat bzw. welchen Umfang diese hatte.

Die Therapeut/-in sollte eine mehrjährige psychotherapeutische Ausbildung in einem in Europa bewährten Verfahren abgeschlossen haben. Der Umfang an Ausbildungsstunden sollte mindestens im vierstelligen Bereich liegen.
Therapeut/-innen sollten auch Fort-/Weiterbildungen aufweisen in zusätzlichen Therapie-Verfahren und/oder fachspezifischen Methoden.

Wahl der Therapeut/-in

Woran ist zu erkennen, ob diese Therapeut/-in wirklich die richtige ist?

Psychotherapie ist Vertrauenssache. Wer eine Therapie beginnen möchte, kennt aber oft auch Unsicherheiten in Bezug auf Vertrauen in sich und andere.

Die meisten Therapeut/-in bieten sogenannte Erstgespräche an.
In einem solchen Erstgespräch werden Anliegen, Wünsche und Ziele der Klient/-in besprochen und geklärt, ob bzw. in welchem Umfang eine Therapie stattfinden soll.

Vor allem geht es im Erstgespräch aber um ein gegenseitiges Kennenlernen.
Die Klient/-in hat Gelegenheit für eine erste Einschätzung der Therapeut/-in und kann für sich Fragen klären wie z.B.
•    Ist mir die Therapeut/-in sympathisch?
•    Denke ich, dass meine Probleme/Sorgen hier ausreichend Platz bekommen können?
•    Werde ich ernst genommen?
•    Habe ich das Gefühl, dass ich von der Therapeut/-in verstanden werde?
•    Kann ich mir vorstellen, mit dieser Therapeut/-in zusammenzuarbeiten?
•    Findet das auch mein „Bauchgefühl“?

Unsicher?
Teilen Sie der Therapeut/-in Ihre Zweifel mit und schauen Sie, wie die Therapeut/-in darauf eingeht. Eine professionelle Therapeut/-in wird ggfs. anbieten, eine Kolleg/-in zu empfehlen.
Im Zweifel vereinbaren Sie zum Vergleich einen Termin bei einer anderen Therapeut/-in.

Üblicherweise werden dann bis zu fünf probatorische Therapie-Sitzungen vereinbart.
Die Klient/-in hat Zeit, ihre Einschätzung aus dem Erstgespräch zu überprüfen und macht erste Erfahrungen mit der Therapie.

In der letzten probatorischen Stunde sollte mit der Therapeut/-in besprochen werden, ob die bisherige gemeinsame Arbeit in die richtige Richtung geht und die Therapie fortgesetzt werden soll.

Kosten

Sind finanzielle Mittel vorhanden, um die Therapie selbst bezahlen zu können?

Bei Personen mit einem sehr geringen Einkommen stellt sich diese Frage oft gar nicht.
Eine von der Krankenkasse finanzierte Psychotherapie unterliegt bestimmten Voraussetzungen.
Es muss eine psychische Störung nach ICD-10 vorliegen.
Liegt „nur“ eine seelische Belastungssituation ohne „Krankheitswert“ vor, übernehmen Krankenkassen keine Therapie-Kosten.
Auch werden nur die Kosten für bestimmte Therapie-Verfahren (s.o.) bei ärztlichen bzw. psychologischen Psychotherapeut/-innen mit Kassenlizenz bezahlt.

Fordern Sie bei Ihrer Krankenkasse eine Liste mit kassenzugelassenen Psychotherapeut/-innen aus Ihrer Region an. Sie können sich vorab einen Überblick verschaffen über das jeweilige Therapieverfahren der Therapeut/-in bzw. deren Spezialisierungen.

Selbstzahler/-innen können sich auch für eine Therapie bei Heilpraktiker/-innen für Psychotherapie oder Therapeut/-innen ohne Heilerlaubnis entscheiden.

Das Honorar sollte unbedingt vor Beginn einer Therapie erfragt werden.
Die Dauer einer Therapie kann individuell sehr unterschiedlich sein. Eine erste Einschätzung sollte im Erstgespräch besprochen werden.

Manche Therapeutinnen bieten bei finanziellen Engpässen eine Honorar-Ermäßigung an. Auch das sollte ggfs. vor Beginn einer Therapie erfragt werden.

Üblicherweise wird das Honorar für jede Therapiestunde im Anschluss per Barzahlung direkt an die Therapeut/-in gezahlt.
Ob eine Überweisung des Honorars monatlich im Voraus möglich ist, muss mit der Therapeut/-in besprochen werden.

Suche nach Therapeut/-innen in Internet
Es stehen viele Online-Portale für die Therapeutensuche zur Verfügung.
Bei www.therapie.de wird ein Suchfilter angeboten für z.B.
die Suche per Ortsnamen oder Postleitzahlen, Geschlecht der/s Therapeut/in, Therapieverfahren, Abrechnungsart, u.a.